Bunker-Begrünung
von Henrik Ralf
Abb. 1

Abb. 2
Seit 2024 hat der vorher graue Hochbunker am Heiligengeistfeld einen bepflanzten Aufbau. Seitdem lockt er viele Besucher an, die über den „Bergpfad“ den Bunker hinaufsteigen und die Rundumsicht über Hamburg genießen. Die neuen, bewachsenen Etagen haben dem Bunker zu einer Attraktion gemacht und ihm die Bezeichnung „Grüner Bunker“ eingebracht. Doch wie kam es überhaupt zu der Begrünung? Von der Idee zur Umsetzung haben am Ende verschiedenste Akteure und Perspektiven eine Rolle gespielt.
Die Idee
Die Idee, den Bunker zu begrünen, war nicht neu. Sie kam schon mehrfach auf. Erstmalig war das 1953 der Fall. Damals wollte das Bezirksbauamt Hamburg-Mitte das Heiligengeistfeld mit einem Grünstreifen ausstatten und dabei die Fläche um den Bunker herum bepflanzen, so dass vom Bunker möglichst wenig zu sehen gewesen wäre. Die Baubehörde lehnte dies jedoch mit der Begründung ab, dass die Fläche für eine wirtschaftliche Nutzung zur Verfügung stehen muss. Als F. C. Gundlach 1975 für eine äußere Gestaltung des Bunkers um Anregungen der Anwohner:innen bat, wurde unter anderem auch eine vollständige Begrünung der Bunkermauern vorgeschlagen. Die Stadt entschied sich wieder dagegen. Zuletzt entwickelte der Künstler Friedensreich Hundertwasser 1992 auf Einladung des Hamburger Abendblattes einen Entwurf, der auch eine Dach- und Fassadenbegrünung enthielt.[1]
Zwei Jahrzehnte später im Jahr 2013 kam der Gedanke dann erneut auf. Der Hamburger Unternehmer Mathias Müller-Using war als Anwohner regelmäßig dem Anblick Betonmonuments ausgesetzt und entwickelte die Idee: „aus grau mach grün“. Inspiriert von der „High Line“ in New York, einer stillgelegten Bahntrasse, die zu einem öffentlichen Park umgestaltet worden war, schlug er einen vergleichbaren Stadtgarten für Hamburg vor.[2] Anfang 2014 gründeten Anwohner:innen die Initiative Hilldegarden. Müller-Using und Hilldegarden gelang es gemeinsam, den Investor Thomas Matzen für das Projekt zu gewinnen. Dieser war fasziniert von der Idee und sprach von einer natürlichen Weiterentwicklung der bisherigen Nutzung. Durch Informationsveranstaltungen und öffentliche Diskussionen machte die Initiative das Vorhaben bekannt und verankerte es im städtischen Gespräch. Aus ihr entwickelte sich später ein Verein, der bis heute als Mieter im Bunker tätig ist.[3]
Abb. 3
Abb. 4
Ergebnis
Nachdem Matzen überzeugt worden war, präsentierte die Initiative das Vorhaben 2015 auch offiziell der Politik im Bezirk Hamburg Mitte sowie Anwohner:innen und Interessierten bei öffentlichen Veranstaltungen. Im Juli 2017 stimmte eine Mehrheit der Bezirksversammlung Hamburg Mitte für die Umsetzung.[4] Kurz darauf befasste sich auch die Hamburgische Bürgerschaft mit dem Vorhaben. Sie stimmte mehrheitlich einer Verlängerung des Erbbaurechtsvertrages zu und nahm die Senatsmitteilung zum Bunker zur Kenntnis. Matzen wurde damit als Erbbauberechtigter des Bunkers für weitere Jahrzehnte bestätigt und konnte als faktischer Betreiber des Bunkers das Vorhaben wie mit den Behörden vereinbart angehen. Im Unterschied zu früheren Ansätzen einer möglichen Begrünung unterstützte die Stadt das Vorhaben dieses Mal. In der Bürgerschaft wurde das Projekt als kulturelle Aufwertung des Bunkers gesehen und die öffentliche Grünanlage betont.[5]
Das Projekt war und ist allerdings nicht unumstritten. Die Presse begleitete den Planungs- und Bauprozess über Jahre hinweg aufmerksam und machte dabei wiederholt die unterschiedlichen Positionen sichtbar. So war beispielsweise das Votum der Politik zwar jeweils mehrheitlich, aber nicht einstimmig erfolgt. Denkmalschützer:innen kritisierten den Aufbau mit Verweis auf die historische Bedeutung des Bunkers und seinen Status als denkmalgeschütztes Gebäude.[6] Auch unter den Anwohner:innen der umgebenden Viertel ließ und lässt sich kein eindeutiges Meinungsbild erkennen. In den Medien werden auf der einen Seite Befürchtungen vor einer weiteren Eventisierung des Stadtteils laut sowie der Vorwurf wiedergegeben, die Begrünung diene als „Greenwashing“ eines primär kommerziell ausgerichteten Projekts. Auf der anderen Seite verweisen Befürworter:innen auf eine Aufwertung des Baus für das Mikroklima und auf den potenziellen Nutzen des Stadtgartens als neue öffentliche Freifläche.[7]
Reaktionen:
Der begrünte Aufbau hat rasch überregionale und internationale Aufmerksamkeit erregt. Die New York Times setzte Hamburg 2025 wegen des ,Grünen Bunkers‘ auf ihre Liste der ,52 Places to Go‘. Im ersten Jahr seit Eröffnung 2024 zählte der Betreiber bereits 2,3 Millionen Besucher:innen.[16] Der Publikumserfolg unterstreicht das Interesse an dem Umbau. Auch zwei Auszeichnungen hat der „Grüne Bunker“ schon gewonnen, zum einen vom Bundesverband für Gebäudegrün für das „BuGG-Gründach des Jahres 2024“, zum anderen den MIPIM der Immobilienmesse in Cannes, den sogenannten „Immobilienoscar“, in der Kategorie „Best Conversion“, also Umwandlung.[17]
Medienverzeichnis
Abb. 1,2,3 & 4: (C) 2025 Daniel Kulle, lizenzfrei
Nachweise
[1] Vgl. Lau, Dirk: Vom Flakturm IV zum Grünen Bunker. Die Geschichte eines Hamburger Monuments 1942 bis 2024, Hamburg 2025, S. 191, 211, 224.
[2] Vgl. Rauterberg, Hanno: Ein unmöglicher Ort. Und Hamburgs neues Wahrzeichen, in: Die Zeit 78, Nr. 26 (2024), S. 43.
[3] Vgl. Richter, Sabine: Verwandlung. Hamburgs höchster Garten, in: Süddeutsche Zeitung, 19.05.2016, URL: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/verwandlung-hamburgs-hoechster-garten-1.2998425 (eingesehen am 21.01.2026).
[4] Vgl. ebd.; Bezirksversammlung Hamburg Mitte, Drucksache 21-2396.1, 14.11.2016, S. 1, online unter: https://sitzungsdienst-hamburg-mitte.hamburg.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=1008037 (eingesehen am 09.02.2026).
[5] Vgl. Hamburgische Bürgerschaft Plenarsitzung 21/62, 12.07.2017, S. 4551-4558, online unter: https://www.buergerschaft-hh.de/parldok/dokument/59970/21_062_plenarprotokoll_21_62#navpanes=0 (eingesehen am 09.02.2026).
[6] Vgl. Schröder, Axel: Streit um Flakbunker auf St. Pauli. Kann man aus einem Nazi-Bunker ein Hotel machen?, in: Deutschlandfunk Kultur, 20.09.2019, URL: https://www.deutschlandfunkkultur.de/streit-um-flakbunker-auf-st-pauli-kann-man-aus-einem-nazi-100.html (eingesehen am 06.01.2026).
[7] Vgl. o. A.: Feldstraßenbunker: Vom Kriegsrelikt zum grünen Lifestyle-Hub, in: T-Online, 19.06.2024, URL: https://hamburg.t-online.de/region/hamburg/id_100430702/hamburg-feldstrassenbunker-eroeffnet-im-neuen-gewand.html (eingesehen am 26.09.2025).
[8] Vgl. Richter: Verwandlung.
[9] Vgl. Schröder: Streit um Flakbunker auf St. Pauli; o. A.: Erste Bäume auf Bunker in St. Pauli gepflanzt, in: T-Online, 09.11.2022, URL: https://hamburg.t-online.de/region/hamburg/id_100077716/hamburg-erste-baeume-auf-bunker-in-st-pauli-gepflanzt-in-ueber-50-metern-hoehe.html (eingesehen am 26.09.2025).
[10] O. A.: Feldstraßenbunker: Vom Kriegsrelikt zum grünen Lifestyle-Hub; Twickel, Christoph: Spinat für die Stadt, in Zeit Online (15.12.2014), URL: https://www.zeit.de/hamburg/stadtleben/2014-12/bunker-bebauung-st-pauli/komplettansicht (eingesehen am 15.01.2026).
[11] Frank Schulze Kommunikation: Immobilien-Oscar für Grünen Bunker St. Pauli: Auszeichnung mit MIPIM-Award 2025, in: Bunker St. Pauli, 17.03.2025, URL: https://www.bunker-stpauli.de/2025/03/17/immobilien-oscar-fuer-gruenen-bunker-st-pauli-auszeichnung-mit-mipim-award-2025/ (eingesehen am 14.01.2026).
[12] BUKEA: Flyer „Bunker St. Pauli“. Nachnutzung eines Bunkers als grüner Freiraum in luftiger Höhe, 2024, URL: https://www.hamburg.de/resource/blob/990258/d3f4870a6a55ff55a7cf015be8d7c05a/d-steckbrief-bunker-st-pauli-data.pdf (eingesehen am 14.01.2026).
[13] Ebd.
[14] Vgl. Buchholz, Saskia u.a.: Analyse der thermischen Wirkung von Dachbegrünung mittels Stadtklimamodellierung. Endbericht zum Projekt ADAM, Offenbach Juli 2022.
[15] BUKEA: Flyer „Bunker St. Pauli“.
[16] Lehnen, Eva / Stanek Julia: Die »New York Times« empfiehlt auch Hamburg als Reiseziel, in: Spiegel, 07.01.2025, URL: https://www.spiegel.de/reise/fernweh/52-places-to-go-die-new-york-times-empfiehlt-auch-hamburg-als-reiseziel-a-c56180e5-a061-444d-b211-1db9f7c5245d (eingesehen am 06.01.2026); o. A.: Grüner Bunker in Hamburg: 2,3 Millionen Besucher im ersten Jahr, in: NDR, 02.07.2025, URL: https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/gruener-bunker-in-hamburg-23-millionen-besucher-im-ersten-jahr,bunker-106.html (eingesehen am 09.02.2026).
[17] O.A.: Einzigartiges Objekt: Begrünter Bunker in Hamburg gewinnt BuGG-Award, in: Der Bundesverband zur Gebäudebegrünung, 19.11.2024, URL: https://www.gebaeudegruen.info/news/einzigartiges-objekt-begruenter-bunker-in-hamburg-gewinnt-bugg-award/ (eingesehen am 14.01.2026); Frank Schulze Kommunikation: Immobilien-Oscar für Grünen Bunker St. Pauli.
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